Wissenschaftler des International Food Policy Research Institute (IFPRI) haben berechnet, wie die Ernährungssicherheit in Sub-Sahara Afrika (SSA) erheblich verbessert werden könnte. Bis 2025 wären Investitionen in der Höhe von 303,2 Mrd. US$ in den Bereichen Bewässerung, Straßenbau, Bildung, sauberes Wasser und nationale Agrarforschung notwendig. Zu teuer?
Ernährungssicherheit hängt stark mit Armut zusammen. Menschen leiden meistens nicht aus Gründen defizitärer Nahrungsmittelproduktion Hunger, sondern weil sie zu wenig Geld haben, um sich auf dem Markt mit Lebensmitteln einzudecken. Mit der heutigen Produktivität in der Landwirtschaft könnten 12 Mrd. Personen mit Nahrung versorgt werden (derzeit leben etw. 6,66 Mrd. Menschen auf der Erde).
Die Bekämpfung des Hungerproblems hängt deshalb stark mit der Reduktion von Armut zusammen. Es gibt aber auch noch andere Gründe, die vor allem in SSA massiert auftreten: Zunehmend unfruchtbare Böden lassen die Erträge schrumpfen, neu erschlossene Agrarflächen sind oft schwer zu erreichen und wenig ergiebig, was eine rentable Produktion verunmöglicht. Hinzu kommen Probleme, wie das Fehlen von subventioniertem Dünger, oder ungünstige Bedingungen auf dem Weltagrarmarkt. HIV/Aids und andere Seuchen verringern zudem die Arbeitskraft.
All diese Probleme müssten gemeinsam angegangen werden, um den Hunger effektiv einzudämmen und das von der Staatengemeinschaft vereinbarte erste Millennium Development Goal (MDG, bis 2015 ist der Anteil der hungernden Menschen um die Hälfte zu reduzieren) auch in SSA zu erfüllen. Investitionen in Bewässerung und Wassermanagement, nationale Agrarforschung, in die Bildung, vor allem auch der Frauen, in die Infrastruktur und ins Gesundheitswesen sind nötig. Landbesitzverhältnisse müssen zudem gesichert sein und eine schnelle und effektive Krisenhilfe darf nicht vernachlässigt werden.
Alles in allem berechnet das IFPRI in seinem Modell einen Investitionsbedarf von besagten rund 300 Mrd. US$, mit dem die Zahl hungernder und unterernährter Kinder in SSA von 1997 ca. 32 Millionen auf knapp 10 Millionen im Jahr 2025 reduziert werden könnte.
Eine unheimliche Menge Geld, wie es scheint. Zu viel Geld? Um diese Frage zu beantworten, hilft es vielleicht einen Vergleich anzustellen: Der Verteidigungsetat der USA beträgt 2007 439 Mrd. US$. In einem einzigen Jahr gibt die derzeitige Supermacht also mehr für ihre Armee aus, als, über 20 Jahre verteilt, nötig wäre, um eine der größten Geißeln der Menschheit effektiv zu bekämpfen.
Es handelt sich also keinesfalls um eine unrealistisch hohe Summe. Dennoch ist es äußerst fraglich, ob die nötigen Mittel freigesetzt werden und das, obwohl eine internationale Übereinkunft in Form der MDGs besteht. Viel realistischer sind Szenarien bei denen die Zahl hungernder Kinder in SSA gleich bleibt, oder nur leicht absinkt. Pessimistische Prognosen gehen gar von einer Verschlimmerung der Situation aus.
Quellen:

Hey Lagerist,
schön, dass es jetzt deine Seite gibt. Gefällt mir gut und die Auswahl ist echt interessant. (Für uns zwei - hahaa
)
Ich hab schon so einiges gelesen und hier hab ich nen kleinen Fehler entdeckt. Glaube kaum, dass der US-Verteidigungsetat weniger beträgt als unsere Miete .. will hier aber auf keinen Fall son Klugscheißerimage bekommen. Nur für die Richtigstellung ..
Nicht nur, dass die unverhältnismässig hohen Ausgaben der USA empören, hinzukommt, dass sie durch ihr Verhalten, immer wieder ganze Länder in Schutt und Asche zu legen, nicht unbedingt im Sinne der MDGs handeln. Gibt es darüber eigentlich Diskussionen? Ländern drohen immerhin WB-Sanktionen, wenn sie nicht genügend tun um die Einschulungsrate im Sinne der MDGs erhöhen …
Danke für den Hinweis. Habe jetzt “Mrd.” eingefügt
Ursprünglich wollte ich den Satz so formulieren:
“Der Verteidigungsetat der USA beträgt 2007 439 Mrd. US$. In einem einzigen Jahr gibt die derzeitige Supermacht also mehr für Tod und Zerstörung aus, als, über 20 Jahre verteilt, nötig wäre, um eine der größten Geißeln der Menschheit effektiv zu bekämpfen.”
Das habe ich dann aber gelassen, denn ich will mein blog möglichst objektiv und wenig polemisch halten (im Gegensatz zu vielen Zeitungen). Allerdings ist sicher etwas dran: Die horrenden Militärausgaben der USA fließen in äußerst zweifelhafte “Projekte”.
An diesen “Projekten” gibt es sicherlich Kritik, auch von offizieller Seite, z.B. der Uno. Sanktionen gegen die USA zu beschließen ist aber denkbar schwer.
Ein Beispiel. Die USA ist Mitglied der Welthandelsorganisation WTO. Damit ist sie verpflichtet gewisse Regeln einzuhalten. Wiederholt hat die USA aber gegen diese Freihandelsregeln verstoßen. Z.B. mit den Zöllen, die sie zum Schutze ihrer Stahlindustrie erhoben hatte. Gegen ein solches Verhalten, kann ein anderes Mitglied der WTO ein Verfahren eröffnen. Bis zum Abschluss und der “Verurteilung” dauert das aber seine Zeit, so weit ich weiß, ungefähr zwei Jahre. Wird die USA schuldig gesprochen, so kann sie einfach sagen “sorry, wir haben einen Fehler gemacht” und entfernt die Zölle wieder. In der Zwischenzeit hat sich die Situation auf dem Weltmarkt möglicherweise sowieso wieder so eingestellt, dass die Zölle gar nicht mehr nötig sind.
So kann die USA (und andere Länder) kurzfristig Dinge tun, die gegen geltendes Gesetz verstoßen. Dafür belangt werden, kann sie allerdings nicht.
Hinzu kommt: Für kleine Länder, die viel zu verlieren haben, wenn sie rechtlich gegen die USA vorgehen, ist es oft besser gar kein Verfahren zu eröffnen.
Und: Die USA ist bei manchen wichtigen Völkerrechtlichen Verträgen erst gar nicht Mitglied, weil sie weiß, dass sie etwas zu befürchten hätte. Beispiele sind das Kyoto Protokoll und der Internationale Strafgerichtshof (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Strafgerichtshof#Unterzeichnerstaaten, http://de.wikipedia.org/wiki/US-Kriegsverbrechen_w%C3%A4hrend_der_Besetzung_des_Irak)