Nach den Tigern, China und Indien nun auch Afrika?

Die Weltbank verkündet heute Überraschendes: Nachhaltiges Wirtschaftswachstum in Afrika! Was steckt dahinter?

Für die Periode von 1995 bis 2005 sei für ganz Afrika ein anhaltendes Wirtschaftswachstum von 5,4% gemessen worden, so die Weltbank. Das stünde in krassem Gegensatz zu den zehn vorangegangenen Jahren wirtschaftlichen Niedergangs.

Allerdings bleibt das Wirtschaftswachstum in Afrika weiterhin sehr labil und hängt von meist wenigen Exportgütern ab, wie z.B. Kaffee, Schnittblumen oder anderen Agrargütern. Nicht vergessen darf man natürlich auch Erdöl, das zur Zeit Rekordpreise erzielt, was den sieben Öl-exportierenden afrikanischen Staaten (ca. 28% der Gesamtbevölkerung) sicherlich entgegenkommt. Dennoch ist die Wirtschaft auch in rohstoffarmen Ländern gewachsen, was tatsächlich Grund zur Hoffnung gibt. Trotzdem bleiben die Entwicklungsunterschiede zwischen und innerhalb der Länder weiterhin beachtlich. Während in machen Städten das Wachstum mit Händen greifbar scheint, leiden v.a. ländliche Regionen weiterhin unter größter Armut. Immerhin 17 Staaten des Kontinents (fast 37% der Gesamtbevölkerung), weisen weiterhin ein Wirtschaftswachstum von unter vier Prozent auf, hauptsächlich aufgrund von Konfliktanfälligkeit, Unbeständigkeit und Rohstoffarmut. Die Wirtschaft Simbabwes ist allerdings als einzige des Kontinents geschrumpft.

Um den positiven Trend weiter auszubauen und auf andere Länder auszuweiten, sind laut Weltbank vor allem der Ausbau der desolaten Infrastruktur und die Schaffungen eines besseren Wirtschaftsklimas notwendig, damit mehr (Privat-)Investitionen in die Region gezogen werden können.

Ob Afrika die Trendwende also tatsächlich geschafft hat und sich bald auf die Verfolgung Chinas und Indiens begibt, bleibt also weiterhin abzuwarten. Vielen Afrikanern wäre sicherlich bereits geholfen, verfügten sie über eine minimale Nahrungs- und Gesundheitsversorgung.

Links:

Press Release der Weltbank

African Development Indictors (Weltbank)

Fifty Facts about Africa (Weltbank)

Berichterstattung Echo der Zeit (Schweizer Radio DRS): 1, 2

 

2 Responses to “Nach den Tigern, China und Indien nun auch Afrika?”


  1. 1 Cap

    Hey,

    kennst Du eine Quelle, in der man die Entwicklung des Gini-Indexes für verschiedene Länder findet? Habe immer nur Werte für bestimmte Daten gefunden. Ein Chart wäre spannend.

    Es wäre interessant, die Entwicklung der Einkommensverteilung in den Tigerstaaten (wo am ehesten Ausstrahlungseffekte durch den Aufschwung zu vermuten sind), China (von dem man immer wieder von sich verschärfenden Unterschieden regionaler und sozialer Art liest) und Indien mit dem Wirtschaftswachstum zu vergleichen.

    Stelle hier einfach mal die These auf, dass Wirtschaftswachstum nichts mit Armusreduktion zu tun hat.

    Bei uns (im Westen) nimmt man ja auch immer größere soziale Ungleichheiten (Privatisierung und Outsourcing, Rückbau des Sozialstaates) in Kauf, um sich eben nicht zu schnell den “verdienten” Reichtum durch den Wachstum der internationale Konkurrenz nehmen zu lassen.

  2. 2 Lagerist

    Moin Cap!

    Gini-Zeitreihen findest du hier: http://www.wider.unu.edu/wiid/wiid.htm (Excel Tabelle als Zip file)

    Sonst findest du auch Gini Daten im jährlich erscheinenden Human Development Report der Uno, oder beim World Development Indicators/Report der Weltbank. Allerdings nicht als Zeitreihen. Da müsstest du einfach die Reports von verschiedenen Jahren herbeiziehen und die Daten selbst zusammenstellen.

    Vielleicht findest du auch noch etwas Brauchbares bei der Statistics Devision der Uno: http://unstats.un.org/unsd/cdb/cdb_help/cdb_quick_start.asp

    Ich nehme an, deine These will sagen, dass Wirtschaftswachstum nicht automatisch auch Armutsreduktion bedeutet. Da bin ich tendenziell gleicher Meinung (Stichwort: Jobless growth). Allerdings ist ebenso wenig nachhaltige Armutsreduktion ohne Wirtschaftswachstum möglich. Es geht ja darum Menschen ein Einkommen zu verschaffen, das ihnen ein angemessenen Lebensunterhalt ermöglicht. Mit anderen Worten: Sie brauchen einen, oder mehrere Jobs, die ihnen Einkommen verschaffen. Vergrösserung des Einkommens ist aber gleichbedeutend mit Wirtschaftswachstum. Es sei denn das zusätzliche Geld stammt aus staatlichen Transferzahlungen (Sozialleistungen). Die sind aber wohl kaum geeignet, um nachhaltig Millionen von Menschen aus der Armut zu befreien, sondern vielmehr als Stützung in Krisenzeiten gedacht…

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