Geopolitik light

Seit Anfang der 90er Jahre unterhält ARTE eine Sendereihe mit dem Titel ‘Mit offenen Karten‘, die seit einiger Zeit auch im Internet verfügbar ist.

‘Mit offenen Karten’ erklärt historische und aktuelle geopolitische Sachverhalte anhand von animierten Karten. Eine Sendung dauert rund zehn Minuten und widmet sich ausschliesslich einem Thema. So werden z.B. die Aussenpolitik der USA, die Interessen Chinas in Afrika, oder ein möglicher EU-Beitritt der Türkei anschaulich dargestellt. Bisweilen wird ein Thema etwas ausführlicher über mehrere Sendungen besprochen.


‘Mit offenen Karten’ ist durchaus dafür geeignet, sich einen Überblick über politisch-geographische, historische und wirtschaftliche Gegebenheiten zu verschaffen. Nicht selten erhält man sogar interessante neue Aufschlüsse über bereits bekannt Geglaubtes. Trotzdem sollte man sich unbedingt vergegenwärtigen, dass hinter jeder Karte immer auch eine Idee bzw. eine Weltanschauung (Ideologie) steckt. Karten waren immer daran beteiligt, wenn es darum ging eine gewisse Weltsicht zu verbreiten und abzustützen.

Da Karten scheinbar die Wirklichkeit der Welt abbilden, wird ihnen vom Betrachter unwillkürlich Objektivität prädiziert. Ein Schluss der fatal sein kann, denn Karten sind lediglich vereinfachende Darstellungen der Welt, abstrahierte Modelle, die zudem auch noch Anfällig für Manipulation durch die Kartenhersteller (Kartografen) sind.

Gleichwohl werde ich nicht darauf verzichten, hier und da eine Sendung ‘Mit offenen Karten’ in mein Blog zu integrieren, denn ich kenne zur Zeit kein Programm, das komplexe geopolitische Sachverhalte so schnell und verständlich erklärt; innerhalb der gegebenen Limiten, versteht sich.

Der Reigen sei eröffnet. Die folgenden zwei Videos sind Paradebeispiele dafür, welche Skalen (Scales), d.h. Betrachtungsebenen und damit zusammenhänge Niveaus der Generalisierung (Vereinfachung) Karten abdecken können und wie diese den Sinngehalt einer Aussage (scheinbar) verändern, beziehungsweise eine Aussage überhaupt erst ermöglichen.

Die erste Sendung versucht das in Europa sicher weit verbreitete Vorurteil der Einheit Afrikas zu widerlegen, konstruiert dabei aber nur neue Denkkategorien, die gleichfalls eine gewaltige Abstraktion der Wirklichkeit darstellen und sofort wieder hinterfragt werden müssten. So wird z.B. erwähnt, dass es in Afrika rund 1500 Sprachen gibt, vorgestellt werden aber (verständlicherweise) nur sechs Sprachgruppen, in denen extrem unterschiedliche Kulturen zusammengefasst werden.

Die zweite Sendung widmet sich einer viel konkreteren Problematik: der Hungernot im Niger (2005). Hier gelingt es viel eher ein schlüssiges Bild zu zeichnen, da die gewählte regionale, nationale und subnationale Skala scheinbar sehr gut dafür geeignet ist, das betrachtete Problem in den Griff zu bekommen. Mit der im ersten Video vorgenommen Kategorisierung wäre das nie möglich gewesen.

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